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Verschobener Waldschutz, verschärfte Klimakrise: Die Linke kritisiert EUDR-Abstimmung

Die EU-Entwaldungsverordnung sollte Wälder schützen – doch das Parlament verwässert sie. Martin Günther warnt: Ohne Waldschutz kein Klimaschutz.

Wenn das Europäische Parlament über die Zukunft unserer Wälder entscheidet, geht es immer auch um das Klima. Bei der heutigen Abstimmung zur EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) hat sich die Mehrheit der Abgeordneten jedoch erneut dafür entschieden, den Umweltschutz zu schwächen – und damit kostbare Zeit im Kampf gegen die Klimakrise zu verlieren.

Wälder binden CO₂, kühlen das Klima und sind Lebensraum für unzählige Arten. Doch statt ihren Schutz zu stärken, nimmt das Parlament weitere Entwaldung in Kauf. „Jede Verzögerung kostet uns unwiederbringliche Wälder, und ohne ihren Schutz gibt es keinen Klimaschutz“, warnt Martin Günther, Europaabgeordneter der LINKEN und Mitglied im Umweltausschuss ENVI.

Entwaldungsverordnung verschoben und verwässert

Im Mittelpunkt der Abstimmung stand die Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung. Sie sollte ein längst überfälliger Schritt sein, um Entwaldung wirksam zu begrenzen. Doch obwohl zwei Jahre Zeit für die Vorbereitung der Umsetzung zur Verfügung standen, wird die Verordnung nun nicht nur verschoben, sondern auch erheblich verwässert.

Statt konsequent Waldschutz vorzuschreiben, setzt die Mehrheit im Parlament auf Entgegenkommen gegenüber Konzernen. Günther kritisiert, dass einmal mehr die Profitinteressen von Unternehmen geschützt werden, „die von der Zerstörung des Planeten profitieren“. Aus Sicht der LINKEN müsste die Entwaldungsverordnung sofort und vollständig umgesetzt werden – doch genau das wurde verhindert.

Verantwortung light: Zu wenig Sorgfaltspflichten

Ein zentraler Punkt der Abschwächung betrifft die Sorgfaltspflichten. Künftig soll die Verantwortung für die Abgabe von Sorgfaltserklärungen auf diejenigen Betreiber*innen begrenzt werden, die ein importiertes Produkt erstmals in Verkehr bringen.

Was auf dem Papier nach Verantwortung klingt, ist in der Praxis nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: Viele Akteur*innen entlang der Lieferketten bleiben aus der Pflicht entlassen, Risiken werden ausgelagert und Kontrolle erschwert. So wird der Kern der Verordnung ausgehöhlt – und Entwaldung nicht konsequent eingedämmt.

Die Linke hält dagegen

Für Martin Günther ist die heutige Entscheidung ein falsches Signal in einer Zeit, in der sich die Klimakrise weiter zuspitzt. Statt klare Regeln für Unternehmen zu schaffen und Waldschutz zur Bedingung für ihr Handeln zu machen, verschiebt das Parlament wirksamen Schutz in eine ungewisse Zukunft. Das sei „zutiefst enttäuschend“ – nicht nur für Umwelt- und Klimabewegungen, sondern für alle Menschen, die auf eine lebenswerte Zukunft angewiesen sind.

Die Delegation der LINKEN im Europaparlament stellt sich dieser Politik offen entgegen. Für sie ist klar: Ohne starken Waldschutz bleibt jede Klimastrategie Stückwerk. Wer Wälder weiter zur Ware macht, verspielt die Chance auf echte Klimagerechtigkeit – in Europa und weltweit.