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Verbrenner-Comeback: EU-Umweltausschuss will CO₂-Ziele aufweichen
Die EU will CO₂-Grenzwerte für Neuwagen aufweichen. Das gefährdet Klimaschutz und bezahlbare Mobilität, während Hersteller erneut Ausnahmen erhalten.
CO₂-Grenzwerte: Weniger Klimaschutz als ursprünglich geplant
Bislang gilt für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ab 2035 das Ziel, ihre CO₂-Emissionen um 100 Prozent gegenüber dem Referenzwert zu senken. Die EU-Kommission will dieses Ziel auf 90 Prozent reduzieren. Der erwartete Kompromiss im Umweltausschuss geht noch weiter: Für Pkw sollen nur noch 87,5 Prozent gelten, für leichte Nutzfahrzeuge sogar lediglich 80 Prozent.
Zusätzlich sollen Hersteller die CO₂-Emissionen ihrer Fahrzeugflotten über mehrere Jahre berechnen können. Auch bei Plug-in-Hybriden sind Spielräume vorgesehen. Damit wird der Druck auf die Automobilindustrie verringert, schneller auf klimafreundliche Antriebe umzustellen.
Verbrenner nach 2035: Teure Abhängigkeit bleibt
Die geplanten Änderungen könnten Neuzulassungen von Verbrennern auch nach 2035 ermöglichen, wenn die Fahrzeuge bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu zählt der Einsatz sogenannter CO₂-neutraler Kraftstoffe wie E-Fuels oder Biokraftstoffe.
Doch die Verlängerung des Verbrenner-Zeitalters hat einen sozialen Preis. Wer weiterhin auf Benzin und Diesel angewiesen ist, bleibt schwankenden Kraftstoffpreisen ausgesetzt. Gerade Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen, die bereits unter hohen Mobilitätskosten leiden, brauchen verlässliche und bezahlbare Alternativen – keine neuen Ausnahmen für die Hersteller.
E-Fuels und Biokraftstoffe sind keine Lösung für den Pkw-Verkehr
E-Fuels und Biokraftstoffe sind nur begrenzt verfügbar, teuer und in der Herstellung energieintensiv. Für die Produktion von E-Fuels wird erheblich mehr erneuerbarer Strom benötigt als für die direkte Nutzung in Elektroautos.
Auch Biokraftstoffe bringen ökologische Risiken mit sich: Ihre Herstellung kann Entwaldung und Landnutzungsänderungen fördern und mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren. Deshalb sollten diese Kraftstoffe vor allem dort zum Einsatz kommen, wo eine direkte Elektrifizierung technisch nicht möglich ist – nicht als Ausrede, den Verbrennungsmotor im Pkw-Verkehr länger zu erhalten.
Bezahlbare Mobilität statt weiterer Ausnahmen
Eine sozial gerechte Verkehrswende braucht günstigere Elektroautos, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur und einen besseren öffentlichen Nahverkehr. So wird klimafreundliche Mobilität für mehr Menschen zugänglich, ohne sie dauerhaft von fossilen Kraftstoffen abhängig zu machen.
Der geplante Kompromiss setzt dagegen auf zusätzliche Freiheiten für die Automobilindustrie. Martin Günther lehnt diesen Kurs ab und stimmt im Umweltausschuss gegen den Kompromiss. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit gehören zusammen: Die EU sollte den Umstieg erleichtern, statt ihn weiter aufzuschieben.

