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Teure Energie, schwache Antworten: Öffentliche Kontrolle statt liberalisiertem Strommarkt
Hohe Strompreise treiben Millionen in Energiearmut. Netzpaket der Kommission bleibt zaghaft – nötig sind Erneuerbare, Reform & öffentliche Kontrolle!
Strompreise machen arm – warum das EU-Netzpaket zu kurz greift
Nach dem Energierat liegen neue Pläne der EU-Kommission vor. Der linke Europaabgeordnete Martin Günther, Mitglied im ENVI-Ausschuss für Umwelt, Klima und Lebensmittelsicherheit, hält sie für unzureichend, weil sie das zentrale Problem nicht lösen: Millionen Menschen in der EU leben in Energiearmut, während Strompreise auf hohem Niveau verharren.
Energiearmut ist Realität – und Deutschland zahlt am meisten
Die Lage ist klar: Im ersten Halbjahr 2025 lagen die Haushaltsstrompreise deutlich über dem Vorkrisenniveau. Gleichzeitig gilt Deutschland als teuerstes Land Europas beim Haushaltsstrom. Für viele Haushalte wird Energie damit zur Existenzfrage. Energiearmut ist kein Randthema, sondern betrifft Millionen Bürger*innen quer durch die EU und braucht endlich eine Antwort, die soziale Sicherheit in den Mittelpunkt stellt.
Der liberalisierte Energiemarkt lässt Menschen und Industrie im Stich
Hohe Preise sind kein Naturgesetz. Sie sind Ergebnis politischer Entscheidungen: Ein liberalisierter Energiemarkt, der Gewinne ermöglicht, aber soziale Absicherung vernachlässigt. Genau diese Logik trifft nicht nur Verbraucher*innen, sondern auch die europäische Industrie. Gas- und Strompreise bleiben für Unternehmen in der EU zwei- bis viermal höher als bei wichtigen Handelspartnern. Das setzt Arbeitsplätze unter Druck und bremst Investitionen in eine klimafreundliche Modernisierung.
Fossile Importabhängigkeit treibt die Kosten – Milliarden fließen trotzdem weiter
Der Bericht zur Lage der Energieunion hat jüngst noch einmal unterstrichen, was viele längst spüren: Die starke Abhängigkeit von teuren fossilen Energieimporten ist ein zentraler Preistreiber. 2024 erreichten diese Importe fast 375 Milliarden Euro. Trotzdem werden fossile Energien weiterhin direkt und indirekt subventioniert und damit genau das System stabilisiert, das Energiearmut verschärft und Klimaschutz blockiert.
Was jetzt nötig ist: Erneuerbare ausbauen, Strommarktdesign reformieren, Energie in öffentliche Hand
Eine soziale und ökologische Energiepolitik braucht einen Kurswechsel – nicht kosmetische Korrekturen. Entscheidend sind drei Schritte:
Erstens: Der Ausbau erneuerbarer Energien muss konsequent vorangetrieben werden, damit Europa unabhängiger von fossilen Importen wird und Preise langfristig sinken.
Zweitens: Es braucht eine grundlegende Reform des Strommarktdesigns, damit Preisbildung und Versorgungssicherheit sich an gesellschaftlichen Bedarfen orientieren, statt an kurzfristigen Marktinteressen.
Drittens: Eine umfassende Umstrukturierung der Energiesysteme auf Basis öffentlicher Eigentümerschaft und demokratischer Kontrolle ist notwendig. Energie ist Daseinsvorsorge. Wenn Netze und zentrale Infrastrukturen dem Gemeinwohl verpflichtet sind, lassen sich soziale Entlastung, Klimaschutz und Versorgungssicherheit zusammen denken und politisch durchsetzen.
