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Klimagerechtigkeit statt Abhängigkeit: Eine linke Perspektive auf den EU-Afrika-Gipfel
Der EU-Afrika-Gipfel bietet die Chance für Partnerschaft: Schulden erlassen, Kolonialismus aufarbeiten und Klimagerechtigkeit gemeinsam gestalten.
Der EU-Afrika-Gipfel könnte ein Wendepunkt sein: Entweder bleibt alles bei schönen Sonntagsreden – oder Europa wagt endlich eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit den Ländern Afrikas. Für den LINKEN Europaabgeordneten Martin Günther ist klar: Frieden, soziale Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit lassen sich nur gemeinsam erreichen.
Kolonialismus aufarbeiten statt übertünchen
Bis heute prägt der Kolonialismus das Verhältnis zwischen EU und afrikanischen Staaten. Grenzen, Wirtschaftsstrukturen und Machtverhältnisse sind kein „natürliches“ Ergebnis von Märkten, sondern Folge gewaltsamer Ausbeutung. Wer heute von vertiefter Zusammenarbeit spricht, ohne diese Geschichte klar zu benennen, produziert leere Worthülsen.
Eine ehrliche Aufarbeitung heißt: Verantwortung übernehmen, Unrecht anerkennen und Wiedergutmachung leisten. Dazu gehört auch, dass die EU-Staaten – allen voran Deutschland – ihre Rolle in der kolonialen Ausbeutung anerkennen. Nur dann kann Vertrauen wachsen und eine Zusammenarbeit entstehen, die diesen Namen verdient.
Schulden erlassen, Zukunft ermöglichen
Viele afrikanische Länder sind bis heute durch Kredite belastet, die unter unfairen Bedingungen entstanden sind. Für Martin Günther sind diese Schulden kein Zufall des Marktes, sondern ein strukturelles Erbe des Kolonialismus. Zinsen und Rückzahlungsauflagen legen ganze Volkswirtschaften lahm und verhindern Investitionen in Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und soziale Sicherung.
Ein Schuldenerlass wäre deshalb nicht nur eine Frage historischer Verantwortung, sondern auch ökonomischer Vernunft. Wer ernsthaft will, dass sich Wirtschaften nachhaltig entwickeln können, muss Ländern den Spielraum geben, eigene Wertschöpfungsketten aufzubauen, Rohstoffe vor Ort zu verarbeiten und gesellschaftlichen Wohlstand gerecht zu verteilen – statt weiterhin billige Rohstoffe zu importieren und Profite in den globalen Norden abzuziehen.
Dekolonisierung heißt: Eigene Wege ermöglichen
Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe bedeutet, dass afrikanische Staaten ihre Entwicklung selbst gestalten können – ohne neue Abhängigkeiten von EU, IWF oder Weltbank. Das heißt: Technologieaustausch, gerechte Handelsbedingungen und Unterstützung beim Aufbau regionaler Wertschöpfung, statt Freihandelsabkommen, die Märkte weiter öffnen und lokale Produzent*innen zerstören.
Dekolonisierung ist damit kein historischer Begriff, sondern eine politische Aufgabe im Hier und Jetzt. Solange Europa an alten Machtstrukturen festhält, bleibt jeder Gipfel nur ein weiteres Fototermin-Event.
Klimagerechtigkeit als gemeinsame Aufgabe
Die Klimakrise trifft Menschen mit geringen und mittleren Einkommen in Europa und Afrika besonders hart – Dürren, Überschwemmungen, Ernteausfälle und steigende Preise spüren zuerst diejenigen, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben. Europa hat seinen Wohlstand über Jahrzehnte auf Kosten des Planeten aufgebaut. Daraus erwächst eine klare Verantwortung.
Der 7. EU-Afrika-Gipfel muss deshalb die Klimazusammenarbeit auf eine neue Stufe heben: mit fairen Finanzierungsmechanismen, die Anpassung und Klimaschutz im globalen Süden tatsächlich ermöglichen, statt neue Schuldenfallen zu schaffen. Für Martin Günther ist klar: Neue Formen der Abhängigkeit dürfen nicht unter dem Etikett „grüne Partnerschaft“ verkauft werden.
Wenn Europa es ernst meint mit Frieden, Gerechtigkeit und Klimaschutz, dann muss dieser Gipfel mehr liefern als diplomatische Floskeln. Er muss der Auftakt für eine echte, solidarische und dekolonisierte Partnerschaft sein.

