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2040-Klimaziel im Europaparlament: Ohne soziale Gerechtigkeit kein Klimaschutz
Das EU-Klimaziel 2040 ist ein Signal, aber ein zu schwaches. Ohne echte Emissionsminderung in Europa und sozialen Schutz bleibt es Symbolpolitik.
Klimaziel 2040: Jetzt entscheidet sich, ob Europa liefert
Mit der Abstimmung zum EU-Klimaziel 2040 steht fest: Ein verbindliches Zwischenziel ist zentral, damit Emissionsreduktionen rechtzeitig starten und damit die nötige Gesetzgebung in Energie, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft überhaupt planbar wird. Ohne Vorgaben droht Stillstand, während die Klimakrise weiter eskaliert.
Klimaschutz muss sozial gerecht sein
Klimapolitik funktioniert nur, wenn sie fair gestaltet ist. Entscheidend ist, die Folgen für Energie- und Verbraucher*innenpreise ernst zu nehmen und diejenigen zu schützen, die am stärksten unter Druck stehen: Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen, Beschäftigte in betroffenen Branchen und ganze Regionen, in denen Umbrüche Jobs und Alltag betreffen. Denn die Klimakrise ist nicht nur ein ökologisches, sondern das größte soziale Problem unserer Zeit, wer weniger hat, kann sich schlechter schützen und zahlt am Ende doppelt.
90 Prozent sind zu wenig und werden auch noch kleingerechnet
Trotz des richtigen Ansatzes bleibt das Ziel inhaltlich zu schwach: 90 Prozent Emissionsreduktion reichen nicht aus, um die EU auf einen wissenschaftlich notwendigen Pfad zu bringen. Schwerer wiegt, dass das Ziel durch Flexibilitäten faktisch weiter sinken kann. Wenn bis zu fünf Prozent über internationale CO₂-Zertifikate angerechnet werden dürfen, wird aus 90 Prozent in der Praxis ein inländisches Reduktionsziel von nur 85 Prozent. Damit wird Verantwortung ausgelagert – auf den Globalen Süden und auf künftige Generationen.
Wissenschaft statt Schlupflöcher: Ziel muss in Europa erreicht werden
Der Wissenschaftliche Beirat der EU zum Klimawandel empfiehlt ein vollständig inländisches 2040-Ziel von mindestens 90 bis 95 Prozent ohne internationale Anrechnung und ohne Hintertüren. Genau daran muss sich EU-Klimapolitik orientieren: an wissenschaftlicher Notwendigkeit und politischer Glaubwürdigkeit.
Problematisch ist zudem die geplante zweijährliche Überprüfungs- und Anpassungsklausel. Sie könnte dazu genutzt werden, das Ziel politisch weiter aufzuweichen, statt es an neue wissenschaftliche Erkenntnisse anzupassen und zu verschärfen, wenn es nötig ist.
Jetzt braucht es konkrete Schritte – nicht nur ein Ziel auf Papier
Ob das 2040-Ziel mehr ist als eine Ankündigung, entscheidet sich an der Umsetzung. Eine frühe Bewährungsprobe wird das Auftreten der EU-Staaten auf der nächsten internationalen Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern in Kolumbien. Von der EU-Kommission braucht es jetzt konkrete Schritte und einen substanziellen Beitrag – sonst bleibt das Ziel Symbolpolitik, während Emissionen, Ungleichheit und soziale Unsicherheit weiter wachsen.

